Unsere Geschichte

Zurlauben – „Wu echt trierisch Lewen noch ömmer pulseert “

Im Jahr 1733, so geht aus einer Steuerliste hervor, gab es in „Zurlauben“ 41 Haushalte, darunter bereits drei Gasthäuser.

Nach dem Einmarsch französischer Truppen im Jahre 1794 stand „Zurlauben“ – wie ganz Trier – ab 1801 unter der Verwaltung des „Erbfeinds“. Nach dessen Vertreibung aus der Stadt im Jahre 1815 durch die Preußen wurde Trier zur Garnisonsstadt und die in der Stadt lebenden Soldaten trugen dazu bei, dass die Gasthäuser in „Zurlauben“ sich zu beliebten Ausflugszielen entwickelten.

Dort soll zu fortgeschrittener Stunde oft das beliebte „Mosellied“ des Trierer Komponisten Georg Schmitt (11.3.1821–7.12.1900) gesungen worden sein, eine der drei „Trierer Nationalhymnen“ (neben Karl Werdings „Du Land, wo meine Wiege stand“ und Julius Friedrich Bernards „Wie mer noch Jonge waoren“). Schmitt komponierte es 1846 während eines Heimatbesuchs. Er studierte u. a. bei Berlioz und Rossini in Paris. Sein Grab befindet sich auf dem berühmten Pariser Friedhof ‚Père Lachaise' – auf den Text des Neuwieder Pfarrers Theodor Reck „Im weiten deutschen Lande“.

In der 6. Strophe heißt es passend:

 

Und volle Krüg und Flaschen,

die sind an jedem Ort,

und wem sind leer die Taschen,

der gibt ein gutes Wort.

O froher Sang, o Gläser Klang

Ihr grünen Berge, o Fluss und Tal

ich grüß´ euch von Herzen

viel tausendmal.

 

Gerne tranken die Trierer schon damals dort ihr „Nationalgetränk“, den „Viez“, der neben dem Wein- und Biergenuss auch typisch für die Moselregion, die Eifel, den Hunsrück, die Saar und für Luxemburg ist. Sein Name leitet sich her aus römischer Zeit (lat. vice = der zweite oder stellvertretende Wein, vice – vinum = Weinersatz) und deutet an, dass der „Apfelwein“ als Ersatz für den echten Wein getrunken wurde. Dass der unbedachte Genuss dieses – im Vergleich zu Bier und Wein – preisgünstigen Getränks nicht ohne unangenehme Folgen für den kühnen Zecher bleiben kann, schildert ein kundiger Trierer in der „Trierischen Heimat“ aus dem Jahre 1934: „Vor Biere(Birnen)viez“ lasse sich der Fremdling in Jerusalem warnen! Seine Wirkung umschreibt lapidar des alten Heraklits Wort ‚panta rhei´ („Alles fließt!“).

 

1888 wurde Zurlauben gemeinsam mit den vor den Toren der Stadt Trier gelegenen Vororten

St. Paulin, St. Barbara und Löwenbrücken eingemeindet und verlor infolgedessen seine Eigenständigkeit.

 

„In Trier regnet es oder es läuten die Glocken“ lautet eine bekannte trierische Redewendung, welche darauf anspielt, dass das Wetter in unseren Regionen nicht immer wie an der Côte d'Azur ist und sich in Trier – selbst nach der unter Napoleon erfolgten Säkularisation, der Aufhebung vieler Kirchen und Klöster und der Verstaatlichung ihres Besitzes – immer noch viele Kirchen befinden. Ähnliche dunkle Regenwolken zogen ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkriegs am Horizont von „Zurlauben“ auf, als der Bau der zweiten Moselbrücke und damit das Ende von „Alt-Zurlauben“ sich abzeichnete. Kaiser Wilhelm II. erschien höchstpersönlich am 14. Oktober 1913 in Trier und weihte die nach ihm benannte Brücke ein. Seit dieser Zeit standen die „Zalawener“ Fährleute beschäftigungslos da.

Doch das einstige Fischer- und Schifferdorf hat dennoch Zukunft – als Triers Parade-Gastro-Meile. Nicht weniger als sieben Kneipen reihen sich heute auf einer Strecke von gerade einmal hundert Metern malerisch aneinander. Die Bandbreite umfasst sowohl Traditionskneipen wie das „Mosellied“ und „Alt-Zalawen“, urige Pinten wie „Ente in Zurlauben“, aber auch Gourmettempel wie die „Bagatelle“, „Croatia“, „Gigio´s“, die „Jugendherberge“ oder – als jüngster kulinarischer Neuzugang – das „Paulaner“. Diese Vielfalt sowie das pittoreske Barockambiente machen „Zurlauben“ zu einem sehr beliebten Anziehungspunkt sowohl für Einheimische wie auch für Touristen, von denen immer mehr mit dem Fahrrad oder dem Ausflugsboot kommen.

 

Heute, über 125 Jahre später, erscheint dieses idyllische Fleckchen, malerisch an der Mosel gelegen, als wäre es nie anders gewesen. Dass diese Idylle jedoch oft trügerisch war, zeigte sich dann, wenn „Zurlauben“ bei Hochwasser oft „Land unter“ war. Zuverlässigen Schutz vor Moselfluten gibt es erst seit dem Bau des Ufer-Dammes in den späten 1920er Jahren. Über ihn verläuft Triers schönste Uferpromenade.

Hier ist das vielbeschworene, aber leider bisher noch nicht realisierte Projekt „Stadt am Fluss“ wenigstens teilweise Realität geworden. Trier ohne „Zurlauben“ – das ist heute unvorstellbar! Denn hier „pulsiert das echte trierische Leben immer noch“, wie Addi Merten, der verstorbene Trierer Heimatdichter es 1983 beschrieben hat:

 

Wu ön enge Sträßjer

On haamlije Gäßjer

On obb'm Damm dernewen

Echt trierisch Lewen

Noch ömmer pulseert,

Manch Päärchi possert

Möt gläzijen Awen,

Dao öß Zalawen

 

 

Geschrieben von Jutta Albrecht im August 2014.